Kontrovers - Grüne Bildung von Rainer Buland

Bildung kommt von Bild. Am Anfang steht ein Bild, ein Vorbild, in das wir uns hineinbilden.

Unser derzeitiges Noch-Schulsystem wurde ab dem 18.Jahrhundert in Hinblick auf einen funktionstüchtigen Untertanen entwickelt. Entsprechend wurden die Schulen als Bildungskasernen organisiert, in denen Jungmänner in Alterskohorten innerhalb einer streng hierarchischen Ordnung diszipliniert und belehrt wurden.

Seit einigen Jahrzehnten haben wir das Bild einer erfolgstüchtigen Wirtschaftskraft: jung, dynamisch, leistungswillig, flexibel, erfolgsorientiert und dergleichen. Entsprechend haben wir ein Schulsystem, das die überkommene Ordnung nicht ganz über Bord werfen will und das Modern-Wirtschaftsmäßige auch noch können möchten sollte.

Entsprechend ist das Noch-Schulsystem eine Brutstätte für den neurotischen Einzelkämpfer. Dies gilt weniger für die Volksschulen, mehr und mehr jedoch für die höheren Schulstufen.

 Eine Grüne Bildung hingegen, die mehr sein will als eine Grüne Schule, muss sich das Bild klar machen, wohin sie bilden will. Dies ist in der Richtung ziemlich deutlich: ein ökologisch bewusster und sozial verantwortlicher Demokrat, egal welchen Geschlechtes, welcher Hautfarbe, welcher Herkunft. Dieses Bild kann verfeinert werden, aber die Richtung ist klar.

Aus diesem Bild ergibt sich sofort eine völlig andere Organisationsform von Schule. Dazu bedarf es keinerlei Visionen, an vielen zukunftsweisenden und ausgezeichneten Schulen wird bereits dahingehend pädagogisch vorgegangen. Hier lediglich einige Umrisse, die weder vollständig noch geordnet sind:

 - Statt Fleiß als Einzelkämpfer sollte Kooperationskompetenz belohnt werden. Warum keine Gruppennoten?

- Statt Betragen als Befolgung einer überkommenen Ordnung sollte demokratisches Engagement in der Schulorganisation belohnt werden. Denn natürlich braucht die Einübung in Demokratie eine demokratische Organisationsform. Wie und wo sollen Kinder demokratische Prozesse lernen und üben, wenn nicht im eigenen Leben? Demokratie theoretisch im Sachunterricht zu vermitteln ist zu wenig. Die Schule muss demokratisch organisiert sein. Das heißt ebenfalls: nicht wie ein Konzern, denn diese haben ebenfalls keine demokratische Ordnung. Das war der Fehler des Universitätsorganisationsgesetzes: Universitäten sind eben keine Wirtschaftsbetriebe und sie als solche zu organisieren ist falsch.

- Noten sind langweilig und drücken alles Mögliche aus, aber lediglich zu einem kleinen Teil die wirkliche Leistung. Wichtiger als die Leistung ist die Neugier, die intrinsische Motivation und dergleichen.

- Statt Alterskohorten sollten Lerngruppen gebildet werden.

- Statt Lernbatteriehaltung in Klassenzimmern brauchen die Kinder und Jugendlichen Bildungsräume, für die sie auch Verantwortung bekommen. Die Atmosphäre ist wichtig und muss für das Lernen anregend sein.

- Die Kinder und Jugendlichen müssen endlich effizient lernen dürfen. Die Hirnforschung ist sich weitgehend darin einig, wie das Gehirn optimal lernt.

In Kurzform: rund 10 Minuten Überblicks- und Einordnungswissen (die wichtigsten Begriffe, Vokabeln, Jahreszahlen, mathematische Formeln, Zusammenhänge, bunt und vernetzt präsentiert) und dann ausreichend Zeit auf eigene Weise mit dem Stoff umzugehen, sich selbst um die Kompetenzen zu kümmern. Jedes Gehirn lernt anders und eben dafür muss Raum sein. Die eine muss erst einmal über das Thema diskutieren, der andere einige Fakten nachlesen, die andere muss erst einmal eine Zeichnung dazu anfertigen, der andere muss erst einmal eine Tastatur unter den Fingern fühlen und im Internet recherchieren. Für all dies muss Zeit sein. Daher als letzten Punkt, den ich hier anführen möchte:

- Bildung braucht Muße. Die Portionierung allen Wissens in halbstündige Häppchen – mehr Unterrichtszeit ist nie, eher weniger – führt zu einem Verlust der Zusammenhänge und genau dieses zusammenhangslose Wissen führt uns geradewegs hinein in die Krise, in der wir derzeit stecken.

Da wir ein komplett neues Sozial- und Wirtschafts-System aufbauen müssen und dürfen – daran führt heute kein Weg vorbei – brauchen wir eine Grüne Bildung, die die jungen Menschen genau darauf vorbereitet. Mit herkömmlichen Mitteln ist da nichts zu machen. Das Schulsystem ist besonders veränderungsresistent, aber die Zukunft sieht sehr erfreulich aus: Die Erhöhung der Lern-Effizienz durch weniger Druck, mehr Demokratie, angenehmere Atmosphäre, mehr Simulationsspiele und größere persönliche Freiheit.

Dafür lohnt sich der Einsatz allemal.

 

Autor: Rainer Buland

 

 
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