SCHWERPUNKT - Bewegung in die Bildung
Das vorliegende Heft von Kontrovers ist einem Thema gewidmet, das wie kaum ein anderes, emotional diskutiert wird: Bildung.
Viele einstmals moderne Ideen des Bildungswesens wie 50-Minuten Stunde und Kinobestuhlung der Klassenzimmer sind heute in die Jahre gekommen - wie die Schwarz-Weiß-Bilder, die dieses Magazin begleiten.
Geblieben ist die ungleiche Verteilung von Bildungs- und Lebenschancen. Unser Bildungssystem selektiert frühzeitig und trägt damit wesentlich zur Vererbung beruflicher und gesellschaftlicher Möglichkeiten bei. [...]
Bildung braucht Bewegung – im Denken und im Tun. Das vorliegende Magazin ist Nahrung für den Geist, will Dialog und Diskussionen entfachen.
Bildungsstandards: Fließband oder Eigensinn?
Die Einführung allgemeiner Bildungsstandards wird die Schulen stark verändern.
Bildungschancen zu vererben ist inakzeptabel
Harald Walser über Bildungsgerechtigkeit und den Vorteil von Standard Tests.
Frühförderung: Neugier wecken, Orientierung geben
Was einen guten Kindergarten ausmacht.
„Werken oder Handarbeiten“ - Wo bleibt die geschlechtersensible Bildungsreform?
Das Bildungssystem ist entscheidend für die Chancen, die Mädchen und Frauen in der Berufswelt vorfinden. Obwohl Frauen bei den Bildungsabschlüssen sehr erfolgreich sind, gibt es im Bildungsbereich und folglich auch am Arbeitsmarkt immer noch klassische Frauen- und Männerdomänen. Das in der Schule oft nur unzureichend geweckte Interesse an den technisch-naturwissenschaftlichen Gegenständen führt dazu, dass nur sehr wenige Mädchen eine Berufsausbildung in diesem Bereich wählen. Unter den zehn beliebtesten Lehrberufen der Mädchen fand sich 2009 kein Beruf im technischen Bereich oder in der Produktion. Bei den technischen Studien liegt der Frauenanteil immer noch unter 20 Prozent
"Kinder erreichen, stärken, fördern" Die pädagogische Beziehung aus Sicht der Hirnforschung - Vortrag von Joachim Bauer
Auf Einladung der Grünen Bildungswerkstatt, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems und der Pädagogischen Hochschule Wien sprach der renommierte Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut, Prof. Joachim Bauer, über die neusten Erkenntnisse zur pädagogischen Beziehung aus Sicht der Hirnforschung. Über 180 Interessierte zog der Experte am 5. Oktober im Curhaus am Wiener Stephansplatz mit seinem mitreißenden Vortrag in den Bann.
"Mach Dich wichtig, unterschreib!"
Deine Unterschrift zeigt, dass Dir Deine Bildung und die Deiner Kinder ein Anliegen ist. Das Bildungsvolksbegehren gibt Dir die Möglichkeit dazu. Bildung darf nicht betonharten Gewerkschaftsbonzen der Marke Fritz Neugebauer oder provinziellen Landesfürsten vom Schlage eines Erwin Pröll überlassen werden. Die Zeit des Raunzens ist vorbei. Mach Dich wichtig, indem Du unterschreibst.
Editorial - Andreas Novy
Das vorliegende Heft von Kontrovers ist einem Thema gewidmet, das wie kaum ein anderes, emotional diskutiert wird: Bildung.
Viele einstmals moderne Ideen des Bildungswesens wie 50-Minuten Stunde und Kinobestuhlung der Klassenzimmer sind heute in die Jahre gekommen - wie die Schwarz-Weiß-Bilder, die dieses Magazin begleiten.
Geblieben ist die ungleiche Verteilung von Bildungs- und Lebenschancen. Unser Bildungssystem selektiert frühzeitig und trägt damit wesentlich zur Vererbung beruflicher und gesellschaftlicher Möglichkeiten bei.
Immer noch ein Hürdenlauf - Ob ein Kind später studieren wird, hängt in Österreich wesentlich von der sozialen Herkunft ab.
Seit der Hochschulreform in den 1970er Jahren bestimmt das Grundprinzip des freien Hochschulzugangs die österreichische Bildungspolitik. Dennoch war der Zugang zu Bildung unter den gesellschaftlichen Gruppen nie gleich verteilt.
In einem Interview mit der Zeitschrift Kulturrisse erläutert der Soziologe Ingolf Erler die Beziehung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen:
Bildung unter Druck
Noch sind die Universitäten nicht privatisiert, Kindergärten gehen nicht an die Börse und Schulen werden nicht ausgelagert. Doch der Rückzug des Staates aus dem Bildungsbereich hat lange schon begonnen, und er geschieht eher schleichend. Der Einfluss privater Investoren in öffentlichen Bildungseinrichtungen hat in den letzten Jahren zugenommen und der Markt privater Bildungsangebote wächst beständig. Die Kosten dafür werden immer mehr auf die Lernenden abgewälzt, die zunehmend als neue Rohstoffe der Wissensgesellschaft fungieren.
Grüne Bildung von Rainer Buland
Bildung kommt von Bild. Am Anfang steht ein Bild, ein Vorbild, in das wir uns hineinbilden.
Unser derzeitiges Noch-Schulsystem wurde ab dem 18.Jahrhundert in Hinblick auf einen funktionstüchtigen Untertanen entwickelt. Entsprechend wurden die Schulen als Bildungskasernen organisiert, in denen Jungmänner in Alterskohorten innerhalb einer streng hierarchischen Ordnung diszipliniert und belehrt wurden.
Bildungsreise der Grünen Akademie nach Paris
Seit 1947 gehen alle französische Kinder in ganztägige Bildungseinrichtungen, die Gesamtschulcharakter haben. Es gibt eine Schul-Primärstufe von 6-11 Jahren und ein anschließendes Collège von 11-16, das von allen besucht wird. [...] Zusätzlich gibt es noch für die Kleinsten verschiedene, oft sehr flexible Betreuungseinrichtungen. Dieses System erleichtert den Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und: Frankreich hat die höchste Geburtenrate der EU.
Sisyphus: 1925 – 2011 - ?. Oder: Das System der strukturellen Ausgrenzung hat einen langen Bart
10. August 2011: Straßenschlachten und Plünderungen auf Londons Straßen...In manchen Stadtteilen wächst jedes zweite Kind in relativer Armut und Perspektivenlosigkeit auf. Der österreichische Bildungswissenschaftler Siegfried Bernfeld schrieb in seinem 1925 veröffentlichten Essay über die geheim wirkenden Kräfte der Institution Schule, über die Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen schulischer Sozialisation, was seither, so Karl Heinz Gruber, von einer Fülle von Forschungsbefunden zum Thema bestätigt wurde.
Hartnäckig für Chancengleichheit
Wie viele andere Kinder musste auch Ali Can, heute dreizehn, sich mit neun Jahren entscheiden, ob er die Hauptschule oder das Gymnasium besuchen wird. Die Erziehungsberechtigten seiner Klasse, ein Großteil mit Migrationshintergrund, erhielten bei einer Beratung über den Schulwechsel den Tipp, ihre Kinder lieber in die Hauptschule zu schicken, weil dort der Leistungsdruck geringer und die Lernatmosphäre besser sei.
Ideal und Wirklichkeit
Eine Schule am Waldhang mit Sportplatz, einem Abenteuer-Spielplatz und dazu einem weitgefächerter Kräutergarten. Schulklassen mit im Schnitt zwölf Kindern, keine Schulnoten, keine Hausaufgaben. Pädagogische Ganztagsbegleitung, zwei Fremdsprachen ab dem ersten Schuljahr, viel Projektarbeit, viel Bewegung und handwerklicher Unterricht. Waldorf-Schulen scheinen den Traum vom guten Lernen wahr machen zu können. Sie sind nicht die einzigen alternativen Schulen in Österreich.
Das Image der Lehre muss verbessert werden - Sabine Jungwirth
Zur Sicherung des Zusammenhalts und des sozialen Friedens ist es unerlässlich, dass die Chancen der jungen Menschen auf eine zufriedene und sinnerfüllte Zukunft gewahrt werden. Dazu gehört im derzeit gelebten Wertegerüst unserer Gesellschaft für die meisten Menschen die Teilhabe am Erwerbsprozess. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen möglichst viele junge Leute eine ihren Fähigkeiten entsprechende qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten.
Kontrovers - Bildung - Inhaltsverzeichnis
Elementarpädagogik
Neugier wecken, Orientierung geben
Was einen guten Kindergarten ausmacht
Die Umgebung angstfrei erkunden
Maria Fürstaller über Herausforderungen der Frühpädagogik
"Wir brauchen eine Qualitätsoffensive"
Heidemarie Lex-Nalis über Frühförderung und die notwendige Aufwertung der Kindergartenpädagogik
Schule und Ausbildung
Hartnäckig für Chancengleichheit
In Österreich muss ein Kind mit neun Jahren seinen Lebensweg wählen - das ist zu früh
Ideal und Wirklichkeit
Alternative Lernkonzepte könnten als Vorbilder für Regelschulen dienen
Bildung unter Druck
Kommentar von Ingolf Erler und Kathrin Niedermoser
"Das Image der Lehre muss verbessert werden"
Sabine Jungwirth über nötige Unterstützungsmaßnahmen für jungendliche Auszubildende
Abgeschoben und ausgeschlossen
SchulabbrecherInnen in Österreich
"Bildungschancen zu vererben ist inakzeptabel"
Harald Walser über Bildungsgerechtigkeit
Die Freiheit zu lernen
Mit einem Freiluft-Klassenzimmer werben die Grünen in Niederösterreich für ein neues Schulmodell
Bildungsstandards
Fließband oder Eigensinn?
Die Einführung allgemeiner Bildungsstandards wird die Schule stark verändern
Hochschulen
Immer noch ein Hürdenlauf
Ob ein Kind studieren wird, hängt in Österreich wesentlich von der sozialen Herkunft ab.



















