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Grüss Göttin?


In einer Zeit des zunehmenden Nationalismus, der sich in Österreich vor allem durch die Ab- und Ausgrenzung all derer, die als „fremd“ oder „anders“ eingestuft werden, hervortut, ist der Umgang mit Nationalhelden problematisch. Die Tiroler Feierlichkeiten im sogenannten Andreas-Hofer-Jahr 2009 boten demgemäß viel Raum für Peinlichkeit und politische Rückgewandtheit. Gefeiert wurde, ohne je in Erinnerung zu rufen, wer dieser Andreas Hofer wirklich war. Gegenaktionen gingen großteils unter.

Parallel zu den Feiern, in denen immer wieder von Freiheit und Einigkeit die Rede war, wurde Menschenrechts-NGOs das Geld gestrichen, wurden Homosexuelle diskriminiert und verhöhnt und die ÖVP setzte in so mancher Regionalgruppe Tirols die Ablösung von Frauen fort. Ist es eigentlich jemandem aufgefallen, dass es kaum mehr Frauen in der Tiroler (ÖVP)Politik gibt?
Die Unsichtbarkeit von Frauen nahm die Künstlerin Ursula Beiler zum Anlass für ein Kunstprojekt und bildete somit einen der wenigen ironischen wie feministischen Ansätze rund um das Andreas-Hofer-Jahr. Ausgangspunkt war dabei die Frage: Wer wird gegrüßt, wenn man „Grüß Gott“ sagt?

Martina Kaller-Dietrich, Historikerin (und planet-Autorin), formulierte es so: „Grüß Gott schallt es mir im heiligen Land Tirol entgegen. – Was heißt das eigentlich? Grüßen sie ihren Herrgott oder grüßen sie mich? Gibt es mich in ihren Augen, oder verwehrt uns der männliche Klerus, dass wir Frauen gesehen und gegrüßt werden? Und, auch die Männer werden nicht gegrüßt, wenn sich bei jeder Begrüßung der Herrgott wie eine Schiebkulisse vor sie wälzt.“ Hans Haid meinte einmal, so fügt sie hinzu, der Name Tirol könne von „Tiralli“ kommen, was soviel wie „hohes Dorf“ oder auch „Dorf der Göttin“ bedeute.

Die Nordtiroler Künstlerin Ursula Beiler nahm diesen Gedanken auf. 2009 gewann sie ein Kunstprojekt zum Öffentlichen Raum und beschilderte die Autobahn mit „Gruß Göttin“. Die Wortwahl ist nur eine kleine Irritation – und sorgt doch gehörig für Unmut, seltsamerweise vor allem bei Frauen.

Außerhalb von Tirol ist das Verwunderliche und Erschreckende daran allerdings, dass die bewusste Sichtbarmachung von Frauen heute noch immer provozieren kann. Es wird noch viele (Kunst)Projekte brauchen, um das zu ändern. (di)


Mehr zum Projekt unter: www.urbeil.eu

 

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