BETTELARM? ABER SICHER!
AutorIn: SIMONE SCHÖNETT
Ihre bloße Gegenwart scheint störend. Weil es scheinbar keinen Nutzen gibt, den man aus ihnen ziehen könnte. Ihre Existenz regt auf. Aber genau das ist ihre eigentliche „Funktion“.
Angesichts ihrer Armut sollten die Sorgen der Wohlstandskinder klein erscheinen. Aber zunehmend gilt ihre Erscheinung als „Bedrohung“. Die Rede ist von jenen, über die eigentlich immer nur summarisch und in der männlichen Form gesprochen wird: „Bettler“.
Ihre offen gezeigte, nackte Armut hat immer schon verstört. Aber heute, wo (fast) jeder schon morgen überflüssig sein könnte, will man sie schon überhaupt nicht mehr sehen: Jene, die gleichsam als Mülleimer für die düsteren Vorahnungen und unsäglichen Ängste der „Bürgerinnen und Bürger“ dienen: Die BettlerInnen.
Die Vorahnungen und Ängste der BürgerInnen scheinen wahrlich düster zu sein. Denn zu nichts anderem als zu einem Sicherheitsproblem werden sie nun gemacht. Jene, die ein uraltes Gewerbe ausüben, das noch dazu ehrenwert ist, wird es doch ausgeübt zum gegenseitigen Vorteil. Denn beim Bettel „profitieren“ beide Seiten: Der Gebende erhält sein Glück, dafür bekommt der andere das Geld – was sein Glück ist.
So einfach ist das. Oder könnte es zumindest sein.
