Das gute Leben – Sinnstiftung als Anspruch an soziale Gerechtigkeit durch soziale Absicherung und Perspektiven, also die Möglichkeit der Realisierung von Träumen und Wünschen

Von Daniela Musiol


Erste Gedanken zum „Guten Leben“: Soziale Absicherung, Gerechtigkeit, Existenzsicherung und weiter – sich beteiligen können,  Platz/Raum haben, authentisch leben können, Selbstbestimmung, Raum für die Liebsten, Natur, der eigenen Neugierde nachgehen können und dürfen, Entspannung und Spannung, ...
Existenzsicherung und Absicherung sollten eine Selbstverständlichkeit sein (was sie natürlich bei weitem für viele Menschen nicht sind) und somit eindeutige Voraussetzung für ein gutes Leben. Soziale Absicherung heißt auch keine Angst haben zu müssen, dass man in Armut abgleitet; nicht in ständiger Angst leben müssen, dass man zukünftig vielleicht in ständiger Armut leben muss.
Soziale Absicherung ist in diesem Sinn vor allem auch eine Perspektive für Menschen. Politisch heißt das als ersten Schritt diese Selbstverständlichkeit umzusetzen – für alle Menschen. Das bedeutet Armutsbekämpfung, eine echte Grundsicherung, Existenz sichernde Einkommen statt working poor.
Doch was so einfach scheint – und mit den richtigen Maßnahmen auch ist – fällt diesen und den vorangegangenen politischen Mehrheiten ach so schwer, WILL ihnen nicht gelingen, denn bereits der Wille dazu fehlt.

Sinn schaffen können
Ein weiterer Aspekt betrifft die Sinnhaftigkeit von Betätigung/Arbeit.
Gut Leben heißt für mich daher auch, im Rahmen der eigenen Kompetenzen und Neigungen Sinn schaffen zu können. Dabei geht es mir nicht um Selbstverwirklichung, sondern um die Möglichkeit der Sinnstiftung für einen selbst.
Sinn hängt mit Gerechtigkeit zusammen, denn Sinn können wir selbst geben, aber Sinn wird auch – von anderen – genommen. Teile der Bevölkerung nehmen für sich in Anspruch, dass, solange sie selbst nicht einer solch „sinnentleerten Betätigung“ (wobei die Definitionshoheit über Sinn noch zu klären wäre) ausführen müssen, die Welt gerecht sei. Das ist selbstgerecht, aber nicht gerecht.

Der Sinn-Begriff impliziert für mich noch mehr: Sinn heißt für mich auch im Rahmen einer Chancen-Gerechtigkeit Erfüllung erfahren. Mehr noch: Ich will eine Welt, in der die Leute das tun, wo sie Sinn sehen und Lust haben. Sinnvolles Tun statt sinnentleerter Jobs, also Selbstbestimmung, Beteiligungsmöglichkeit und Solidarität.
Und da liegt eine weitere Aufgabe für die Institutionenpolitik – sie hat dafür zu sorgen die Voraussetzungen für (politische) Beteiligung, Mitbestimmung zu schaffen und zu ermöglichen. Aber auch an die Sich-Beteiligen-Wollenden/Sollenden gibt es Anforderungen: Beteiligung wird nicht serviert, ist nicht konsumierbar.

Zu einem guten Leben gehören für mich auch Träume. Träume sind nicht nur erlaubt, sondern mehr noch: Gerechtigkeit heißt für mich auch, den anderen Raum zu geben und Möglichkeiten zuzulassen, um Wünsche und Träume möglich machen zu können.  Und es ist abzulehnen, dass Du, nur weil Du eine bestimmte Biographie hast, schon bei der Formulierung des Wunsches stehen bleiben musst, weil nicht mehr möglich ist. Das ist nicht gut, gar nicht gut, ungerecht und daher auch illegitim.

 

Daniela Musiol ist Abgeordnete zum Nationalrat und grüne Familien- und Verfassungssprecherin

 

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