Von Markus Auinger
In Folge des klimabedingt steigenden Meeresspiegels wird schon bald deutlich werden, dass unsere Vision des guten Lebens untergehen muss. Das Schicksaal des kleinen Inselstaates im Indischen Ozean führt uns auf besonders tragische Weise vor Augen, dass das „Gute Leben“ der Einen für viele andere bedeutet, dass sie dieses nicht (mehr) führen können.
Unsere Vision des guten Lebens ist dabei sicherlich unterschiedlich, und nicht für alle bedeutet sie tausende Kilometer zu fliegen, um sich dann den Versprechungen des Wohlstands und des Konsumismus mit sommerlichen Cocktails hinzugeben. Trotzdem scheinen die Bilder eines guten Lebens, die über diverse Marketingmethoden und Medien vermittelt werden, einen einheitlichen Grundtenor aufzuweisen. So sind es häufig Bilder aus dem globalen Norden, die ein Konsummuster darstellen, auf das alle Welt hinzustreben scheint. Dass dieses Leben nicht für alle möglich ist, wird nicht dazu gesagt. Daran ändert auch eine CO2-Abgabe beim Ticketkauf nicht viel – wenngleich diese den ökologischen Fußabdruck zumindest verkleinert.
Vielerorts scheitern Menschen an der Verwirklichung ihres amerikanischen oder europäischen Traums, weil die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen diesen schlicht nicht ermöglichen. Es war auch nie so gedacht. Schließlich beruht der Wohlstand der Einen auf der Armut der Anderen. Irgendjemand muss ja um Billiglöhne arbeiten, damit wir dann billige Produkte im Supermarkt kaufen können.
Die Grenzen des Systems erkennen
Gutes Leben bedeutet eben gerade nicht, dass wir immer besser leben müssen. Es bedeutet, dass wir die Grenzen des Systems Erde erkennen und uns der lebensbedrohlichen Folgen unseres eigenen „Guten Lebens“ für andere klar werden. Grenzenloses Wachstum, dessen Notwendigkeit uns fast alle PolitikerInnen immer wieder predigen, ist dabei ebenso wenig der richtige Weg, wie ein Festhalten an veralteten Technologien und Treibstoffen, die uns für unser gutes Leben nötig erscheinen. Betrachtet man etwa die Prognosen und Szenarien der KlimaforscherInnen, wird auf einen Blick deutlich, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Immer schneller, immer weiter, immer mehr für alle ist schlicht nicht möglich – allen glänzenden und sonnigen Verheißungen des Kapitalismus zum Trotz. Es wird nötig sein, sich darauf zu besinnen, was tatsächlich mehr Lebensqualität bringt ohne die Möglichkeiten anderer einzuschränken. Dann wird auch deutlich werden, was für ein gutes Leben eigentlich überflüssig ist und was ihm auf lange Sicht sogar im Weg stehen würde wird.
Die Antworten darauf wird wohl jedeR selbst finden müssen. Es kann dabei aber nicht vorausgesetzt werden, dass alle die Folgen ihres Handelns auf den Rest der Welt, oder auch nur auf den Indischen Ozean kennen. Helfen würde es natürlich schon. Hier kommt der politischen Bildung ein besonderer Auftrag zur Stärkung eines klimapolitischen Bewusstseins zu. Bis es soweit ist, braucht es vor allem politische Entschlossenheit statt ein Sich-rausreden-auf-andere. Nur gemeinsame politische Rahmensetzungen auf internationaler Ebene können den Blick auf das Ganze bewahren. Damit nicht irgendwann Konsens wird, was ich kürzlich in einer alten Ausgabe der Zeitschrift brennstoff wieder entdeckt habe: „Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ist aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar. Ein Überleben der Menschheit können wir uns im Interesse des Wirtschaftswachstums nicht leisten“.
Markus Auinger ist EU-Projektkoordinator der GBW für Klimapolitik