Stadtspaziergang: Das Novemberpogrom 1938 und die Rolle der Wiener Gesellschaft
Die antisemitischen Pogrome markieren den Übergang von Ausgrenzung und Entrechtung hin zur systematischen und industriellen Massenvernichtung von Jüdinnen und Juden durch die „deutsche Volksgemeinschaft“. Die Zugehörigkeit zu dieser wurde gerade in Wien und Österreich mit äußerster Brutalität unter Beweis gestellt. Alleine in Wien brannten in der Nacht vom 9. zum 10. November 42 Synagogen und jüdische Bethäuser, zahllose jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert, zerstört und beschlagnahmt, Menschen inhaftiert, deportiert, in den Tod getrieben und ermordet.
Der geführte Stadtspaziergang von Max Volgger verbindet die Geschichte des Novemberpogroms mit den Themen Enteignung, der Rolle der Medien, Antisemitismus, jüdischen Gegenstrategien und österreichischer Erinnerungspolitik. Er erzählt die Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung der Wiener Jüdinnen und Juden nicht nur als Geschichte staatlicher Gewalt, sondern auch als Geschichte der Beteiligung der Wohnbevölkerung. Anhand konkreter Orte im Ersten Bezirk und individueller Biographien – von Verfolgern wie Verfolgten – diskutiert der Rundgang, wie Gewalt gesellschaftlich möglich wurde, wie sie öffentlich legitimiert wurde und wie nach 1945 an sie erinnert – oder eben nicht erinnert – wurde.

(Albertinaplatz)
1010 Wien