Stadtspaziergang: entlang des Donaukanals
Was wir heute als Donaukanal kennen, war im Mittelalter noch einer der Hauptarme der Donau. Auf einer hochwassersicheren Terrasse an seinem Südwestufer entwickelte sich die Stadt Wien. Zahlreiche Befestigungen, Eingriffe und zwei Donauregulierungen später ist aus diesem Flussarm jener Kanal geworden, den wir heute kennen: gezähmt und verbaut.
Unser Stadtspaziergang beginnt bei der Friedensbrücke und führt entlang des Donaukanals bis zur Strandbar Herrmann. Dabei folgen wir keinem klassischen Wien der Kaiserpaläste und Fiaker, sondern einem Wien der Zwischentöne. Unter alten Brücken, neben meterhohen Graffiti, Clubs und Stadtwildnis zeigt sich ein anderes Gesicht Wiens: widersprüchlich und ständig im Wandel.
Wir sprechen über Stadtentwicklung und Hochwasserschutz – nicht zuletzt, weil die Bilder vom September 2024 noch eindrücklich in Erinnerung sind. Und wir gehen der Frage nach, wem öffentlicher Raum eigentlich gehört: etwa am Beispiel des Schwimmvereins Donaukanal, der seit 2020 dafür eintritt, den Kanal wieder als Schwimmort zu denken.
Der Spaziergang endet bei der Strandbar Herrmann – dort, wo der Donaukanal für viele endgültig vom Verkehrsraum zum Lebensraum wird. Und wo man vielleicht am besten versteht, was den Donaukanal ausmacht: Er ist kein schöner Hintergrund, sondern ein umkämpfter und geliebter Stadtraum. Ein Ort, an dem Wien sich ständig neu erfindet.
